Wachstumstreiber Umwelt - Mit Gewinn aus der Krise

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Dr. Andreas M. Odefey
Dr. Andreas M. Odefey

Das Kapital entdeckt einen neues Geschäftsfeld: die Ökologie. Ein nachhaltiger Impuls, denn Investitionen in Umwelttechnologien versprechen Rekordgewinne. An der Schwelle zur Katastrophe tut sich ein neuer "Super"-Markt auf. Zweiter Teil unseres ausführlichen Interviews mit dem Hamburger Investmentbanker Dr. Andreas Odefey.

 

g-m-h: In Sachen Umwelt jagt eine Hiobsbotschaft die nächste. Gerade hat das Potsdamer Klimainstitut darauf hingewiesen, dass die Himalaya-Gletscher in einem nicht für möglich gehaltenem Tempo abschmelzen. Die Ursachen sehen die Wissenschaftler in dem chinesischen Wachstumswahn, der uns jeden Monat ein gigantisches neues Kohlekraftwerk beschert, deren Ruß die Gletscher auf dem Dach der Welt grau färbt. In 50 Jahren, so die Prognose der Wissenschaftler, sind in der Himalaya-Region zwei Milliarden Menschen ohne Trinkwasser. Das wir nicht so weiter wirtschaften können, ist angesichts der verheerenden weltweiten Faktenlage klar. Ihre Firma BPE generiert Gelder für einen Fonds, der in Projekte und Unternehmen investiert, die der Nachhaltigkeit verpflichtet sind. Wie schwer ist es für einen Investmentbanker, für eine solche Idee zu werben ?

Andreas Odefey: In den letzten Jahren hat das Thema Investment in Nachhaltigkeit, in umweltorientierte Projekte und Firmen international extrem an Bedeutung gewonnen. Das beste Indiz dafür ist das Carbon Disclosure-Projekt. Das ist ein loser Zusammenschluss der größten Investoren dieser Erde mit einem Anlagevolumen von 41 Billionen Dollar, die von den 2.400 größten börsennotierten Unternehmen der Welt fordern, einmal jährlich die von ihnen verursachten Klimarisiken zu veröffentlichen. Neben dem Geschäftsbericht soll also Rechenschaft darüber abgelegt werden, wie sehr sich die jeweiligen Unternehmen mit der Umwelt auseinandersetzen. In Deutschland sind fast alle großen Investoren dabei, von der Münchener Rück bis zur Allianz. In Deutschland ist es der Hamburger Professor Bassen, der diesen Bericht durch Umfragen bei deutschen Unternehmen jedes Jahr zusammenstellt. Der neueste Bericht erscheint gerade .

g-m-h: Was passiert, wenn die Investoren mit dem Bericht eines Unternehmens nicht zufrieden sind ? Was haben diese Unternehmen zu befürchten ?


Andreas Odefey:
Wenn Sie Milliarden anzulegen haben, interessiert es alle börsennotierten Unternehmen, daß die Aktien ihrer Firma gekauft werden. Ein Teil dieser Investorenpolitik ist die Frage nach der Berücksichtigung der Umwelt bei der operativen Unternehmensführung. Die Münchener Rück legt zum Beispiel Wert darauf, dass siebzig bis achtzig Prozent ihrer Kapitalanlagen unter dem Oberbegriff „Nachhaltigkeit“ platziert werden.

g-m-h: Die Münchener Rück nimmt schon seit einiger Zeit keine Policen für Sturmschäden in bestimmten Gegenden dieser Welt an. Weil sie genau wissen, welche Windgeschwindigkeiten demnächst auf uns zukommen...

Andreas Odefey: Mit dem versicherungstechnischen Geschäft, von dem Sie reden, kenne ich mich nicht aus. Wovon ich spreche, ist die Anlage des Geldes, das die Versicherungen durch Prämieneinnahmen generieren – auf der Anlageseite. Die Münchener Rück hat etwa 100 Milliarden Euro anzulegen. Über diese Anlagepolitik eben. Immer mehr Firmen nehmen den Umweltschutzgedanken auch innerbetrieblich ernst, das zeigt nicht nur das Beispiel der Allianz. Dort gibt es inzwischen Beauftragte in den einzelnen Niederlassungen, die darauf achten, dass abends das Licht ausgemacht, die EDV abgestellt wird etc. Das war vor zehn Jahren auch noch undenkbar.

g-m-h: Mit welchem Produkt geht Ihre Firma auf den Zukunftsmarkt der Nachhaltigkeit ?

Andreas Odefey: Wir haben eine Anlagemöglichkeit für institutionelle und private Investoren geschaffen: Cleantech. Das sind Produkte und Dienstleistungen, die durch technologische Innovationen den Verbrauch von Ressourcen, Umweltschäden sowie Kosten reduzieren und damit die wirtschaftliche Entwicklung von Unternehmen erheblich verbessern. In technologische Entwicklungen zu investieren, heißt zum Beispiel: Der Menschheit mehr Trinkwasser zur Verfügung zu stellen - durch neuzeitliche Klär- und Entsalzungsanlagen. Auf dem Sektor der regenerativen Energien gibt es jede Menge zu tun, das gleiche gilt für die Mobilität. Überall sind neue Technologien gefragt, in die man meines Erachtens investieren muss – als Beimischung dieser neuen Asset-Klasse. Dies gilt auch und ganz besonders in der heutigen Zeit der „Finanzkrise“. Hier hat sich ein Geschäftsfeld, ein Markt gebildet, in den wir sehr gern investieren. Es ist der Wachstumsmarkt der Zukunft. Und um unsere Zukunft geht es, auch wenn man mit ihr viel Geld verdienen kann...

g-m-h: Was passiert mit dem Geld ihrer Anleger ? Wer entscheidet, wo es hin geht ?

Andreas Odefey: Wir haben einen Dachfonds aufgelegt. Dieser Fonds investiert in Beteiligungsgesellschaften, die wiederum Unternehmen finanzieren. Und in diesen Unternehmen, die finanziert werden - unsere Zielrichtung ist in erster Linie die USA - werden neue Technologien entwickelt oder sind schon entwickelt worden und werden nun in den Markt gebracht, damit zum Beispiel Elektro- oder Hybridautos fahren können.

g-m-h: Wenn die USA ihr wesentliches Betätigungsfeld ist, müßten Sie doch froh sein über den politischen Wechsel dort. Schließlich haben die Demokraten unter Obama angekündigt, ihre Energieversorgung baldmöglichst zu fünfundzwanzig Prozent auf alternative Energien umzustellen.


Andreas Odefey: Ob Republikaner oder Demokraten, das ist in diesem Fall egal. Die Amerikaner haben mit der ihnen eigenen Intensität erkannt, dass sie etwas für die Umwelt tun müssen. Dass sie sehr viel mehr tun müssen, als unter der Bush-Regierung. Beide Kandidaten haben im Wahlkampf immer wieder betont, dass die Umweltthematik ein wesentlicher Wachstumstreiber der amerikanischen Wirtschaft wird. Das ist auch zwingend notwendig, wenn Amerika seine Unabhängigkeit sichern will, es ist sozusagen ein „subject of national security“ – eine Frage der nationalen Sicherheit.

g-m-h: Wenn die Amerikaner sich tatsächlich derart massiv auf diesen Zukunftsmarkt fokussieren, wie sie sagen, dann müssen wir Deutschen uns vermutlich warm anziehen... Bisher waren wir ja die führende Nation in Sachen Umwelttechnologie.

Andreas Odefey:
Wir waren gerade in den Staaten. Die Amerikaner erkennen neidlos an, das haben wir immer wieder gehört, dass wir Deutschen sehr viel früher als sie und intelligent in erneuerbare Energien investiert haben. Sie erkennen an, dass die deutsche Industrie im Anlagenbau, im Maschinenbau, in allem, was Energieoptimierung, ja überhaupt die ganze Umweltthematik betrifft, die Zeichen der Zeit viel früher erkannt haben. Das hindert sie natürlich nicht daran, jetzt massiv in diesem Bereich zu investieren. Auch in Europa, auch in Deutschland. Sehr massiv. Die Beteiligungsgesellschaften aus Amerika kommen zunehmend nach Europa und investieren hier in Technologien, die sie als interessant und neu ansehen. Selbst Kleiner Perkins hat schon vier Unternehmensbeteiligungen in Deutschland übernommen, davon drei in dem Sektor erneuerbare Energien. Dies ist einer der führenden Venture-Capitalisten in Amerika, die weltweit investieren. Deshalb muss man sich auch klar machen, dass die Technologieentwicklung eine weltweite Erscheinung ist.

g-m-h: Ist es dann nicht zwingend notwendig, dass die Politik das Engagement der Wirtschaft in dieser Richtung vehement unterstützt. Im Moment sieht es eher danach aus, dass im Umweltschutz von politischer Seite eher auf die Bremse getreten wird. Wie sonst ist es zu erklären, dass nach der dramatischen Warnung des Weltklimarates der CO2-Ausstoß nicht, wie versprochen, abgenommen, sondern weltweit dramatisch zugenommen hat?

Andreas Odefey: Die Politik tut das, was aus ihrer Sicht vertretbar ist. Auch wirtschaftlich vertretbar ist. Wenn Sie die Summen betrachten, die in die Subventionierung erneuerbarer Energien allein in Deutschland gehen, dann sind das sehr hohe Beträge, die wir alle mit bezahlen. Über den Strompreis oder über die Steuern. Und deshalb ist es so wichtig, daß Venture-Capital-Investoren die Entwicklung vorantreiben, wie eben in Amerika. Eine tolle Geschichte. Das haben die Amerikaner auch mit dem Internet und den neuen Medien so gemacht. Und jetzt machen es die dortigen Venture Capitalisten vorbildhaft im Bereich der Umwelttechnologie. Warten Sie fünf bis zehn Jahre, dann werden die Amerikaner in den allermeisten dieser Technologien Vorreiter sein. Die gehen damit ja schon jetzt nach Indien und China, wo natürlich große Absatzmärkte aber auch große Entwicklungsmärkte sind. Machen Sie sich mal keine Sorgen. Die Menschen waren schon immer in der Lage, ihre Probleme ergebnisorientiert anzugehen. Wenn die Zeit dafür reif ist !

g-m-h: Und so lange die Zeit dafür gereicht hat... Herzlichen Dank für dieses Gespräch.

Interview: Dirk C. Fleck
30.10.08

Zur Person
Dr. Andreas M. Odefey besitzt in der Hamburger Bankenszene einen ausgezeichneten Ruf. Seine Ausbildung genoss er bei der renommierten Hamburger Berenberg Bank, der ältesten Privatbank Deutschlands. Dort stieg er zum Persönlich haftenden Gesellschafter auf. Heute ist er Geschäftsführender Gesellschafter der von ihm mitgegründeten BPE Fund Investors.


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