Exklusiv bei uns zu hören: Drafi Deutschers Super-Hit von Kubas Popstar Dayani
Viva Drafi! Wie ein Hamburger „Marmor, Stein und Eisen bricht“ auf Kuba zur Numero Uno machte

- Zwei Welten, ein Hit: Auf ihrem Album HAVANA WOMAN interpretiert Dayani Drafi Deutschers Klassiker als "Tribute to Germany"
Schlagerikone Christian Bruhn, 74, war beeindruckt. „Grandiosa! Sensationell!“, mailte der Komponist von Drafis legendärem Gassenhauer „Marmor, Stein und Eisen bricht“ an den Absender zurück. Gemeint war die Stimmprobe, die ihm der Hamburger Schauspieler, Songtexter und Musikproduzent Walter Wigand nach München zugeschickt hatte. Ziel der postalischen Attacke: die Genehmigung für eine karibisch–knallige Neufassung des Hit-Klassikers, spanisch gesungen von dem kubanischen Popstar Dayani. Geplanter Titel: „Dam Dam“. Die Sängerin gilt mit bisher fünf veröffentlichten Alben als die „Diva von Kuba“. Im Gegensatz zur landestypischen Musikszene ist Dayanis Domäne nicht Salsa und Regueton. Ihre alles überstrahlende Stimme „schreit“ nach Power und Ballade.
Doch der Reihe nach: Als Walter Wigand am Neujahrstag 1999 in den späten Abendstunden erstmals Havannas internationalen Flughafen José Martí betrat, empfing ihn der sozialistische Inselstaat als ein Land voller Rätsel. Die Zeit schien ein anderes Tempo zu haben. Die kubanische Nacht war nicht dunkel, sondern schwarz. Die vertrauten Reklametafeln fehlten. Stattdessen säumten geheimnisvolle Plakate mit martialischen Slogans die Strasse. Darauf forderte ein grimmig dreinblickender, bärtiger Mann „Patria o Muerte – Vaterland oder Tod“! Für den damaligen Kuba-Debütanten ein Satz von magischer Wucht: „Hämmerndes Pathos, unbändiger Stolz! Das haute mich um!“, erinnert sich Wigand. „Dabei kam ich mir vor wie 'Alice im Wunderland': Ich erahnte den Sinn, doch ich verstand kein Wort. Nur eines war mir schlagartig klar: Meine Vorstellung von Kuba als eine Art "DDR mit Sonne" mußte ich – erfreulicherweise – schnell zu Grabe tragen."
Zu Gast beim staatlichen Rundfunksender "Radio Rebelde"
Gesagt, getan: Zehn Jahre später – im Januar 2009 – sitzt der Mann, der sein Kuba-Abenteuer nach Selbsteinschätzung als „revolutionärer Analphabet“ begonnen hatte, beim staatlichen Rundfunksender „Radio Rebelde“ in Havanna, parliert in fröhlichem Strassenspanisch und präsentiert gemeinsam mit Sängerin Dayani pünktlich zum 50. Jahrestag der Revolution sein Album "Havana Woman" - "incl. Top-Hit Dam Dam", steht auf dem Cover.
Walter Wigand mit Dayanis Begleitgruppe Sexto Sentido im Studio
Der Weg zum Top-Hit war ein seltsam gekurvter. Wigands erstes, geradezu tollkühnes Projekt, aus Staatschef Fidel Castros berühmtem Zitat „Patria o Muerte“ ausgerechnet mit der Melodie von „The House of the Rising Sun“ eine Pop-Hymne zu kreieren, wurde nach zweijährigem Kampf mit der kubanischen Kulturbürokratie zum Erstaunen aller offiziell autorisiert und brachte Wigand einen Vertrag mit der staatlichen Plattenfirma Egrem und einen Empfang beim Parlamentspräsidenten Ricardo Alarcón ein.
„In der Rückschau war das Projekt ein Wahnsinn“, räumt Wigand ein. "Als ob man einem Zugführer zumutet, seine Lokomotive mit Dynamit zu heizen."
Drei weitere Singles folgten, das Konzept zum Album „Havana Woman“ begann sich zu formen. Doch erst ein „privater Knall“ gab den entscheidenden Schub. Im Juni letzten Jahres gab Wigand seiner 'Havana Woman' das Ja-Wort und machte sich umgehend daran, der deutsch–kubanischen Hochzeit ein musikalisches Denkmal zu setzten.
Jetzt kam Drafi ins Spiel. Die Idee dazu war bestechend einfach: Man nehme den einzigen Gassenhauer, den die deutsche Popmusik je hervorgebracht hat, lege eine stürmische Liebeserklärung an den "Caimán", wie die karibische Insel ihrer Form wegen genannt wird, auf die Melodie und lasse die Zeile „Dam Dam“ mittels Dayanis Power-Röhre so richtig strahlen. Alles lief glatt. Eine Überraschung für den Produzenten gab’s jedoch bei den Gesangsaufnahmen.
Drafis Kuba-Version erobert den Ballermann
„Wir mussten das im Studio richtig üben. "Marmor, Stein und Eisen bricht" kennt in Deutschland jeder, ein simples, leicht nachzusingendes Straßenlied eben. Für kubanische Ohren jedoch klingt es völlig exotisch. Die sind ganz andere Harmonien gewohnt und konnten gar nicht glauben, dass das eine stadiontaugliche Mitsing-Hymne ist.“
Der "Havana-Mix“, der auf Kuba als Single läuft, war für Deutschland dann auch zu karibisch verspielt „Da fehlte der teutonische Hammer!“ Erst der Hamburger Album-Remix von Blümchens ehemaligem Hit-Macher Arn Schlürmann machte die Reiseroute klar. „Dam Dam – Viva Drafi“ stürmt im Sommer nach Mallorca, eine Promotionagentur steht bereit, mit einem Spezialvertrieb ist man in Verhandlung. Die Vorstellung, in den Niederungen von Ballermann und Co. mit illustren 'Künstlern' wie „Mike Mucke“ oder „Tim Toupet“ zu landen, schreckt den Produzenten nicht. „Drafis Hit war schon immer ein Brecher. Der hält alles aus, ist 'unkaputtbar', wie "Die Ärzte" sagen würden.“ Sängerin Dayani aus Havanna pflichtet Walter Wigand bei: „'Pop' kommt von 'Popcorn'. Da funkt und knallt es. Eben "Dam Dam"!"
PETTER GROENLUND
3.4.09
Wie die Zeile Dam Dam entstand.
Dam Dam. Zwei Silben, zwei Schläge. Hart und doch stimmhaft. Auf der ganzen Welt verständlich. Die beste Zeile, die deutscher Pop je hervorgebracht hat. Dagegen ist „Flugzeuge im Bauch“ Geheimratslyrik, dagegen klingt Udo Lindenbergs „Stark wie zwei“ wie der poetische Stoßseufzer eines sozialdemokratischen Lehrerehepaares. Eine Zeile wie Dam Dam kann man nicht erfinden – hier die Entstehung: An den entsprechenden Stellen im Song sollten damals - 1963 - bei der Originalaufnahme eigentlich Bläser die Akzente setzen. Die Musiker kamen aber nicht, sie hatten sich im Tag geirrt. Also improvisierte Drafi aus Jux drauflos – „Dam Dam“ statt „Täterä“. Alle waren begeistert – und man hat es so gelassen.
Kubas Popstar Dayani
Daten. Das Album Havana Woman (Fireball) ist in Hamburg vorab exklusiv erhältlich in der Bar Cabana Fischmarkt 4-6. Geöffnet Di-So. ab 13 Uhr, Tel. 80 00 71 14. Offizieller Handelsstart folgt am 17. Mai . www.patria-o-muerte.com
Fotos: Sven Creutzmann
Cover Design: Eileen Heerdegen










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