Welche andere Stadt hat schon eine eigene "Nationalhymne"?

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Hamburg - stolz auf seine Bürgertradition - hat etwas zu bieten, was nicht jede Stadt aufweisen kann: eine eigene Hymne. »Stadt Hamburg an der Elbe Auen«, bei den meisten Bürgern allerdings weitgehend unbekannt. Immerhin aber wird sie bei festlichen Anlässen auch heute noch - instrumental allerdings - gespielt. Am 29. September 1828 begingen die Bürger Hamburgs mit einem Fest, das die ganze Stadt feierte, ein doppeltes Jubiläum: Zum einen gedachte man der Einführung des evangelischen Glaubens vor 300 Jahren, zum anderen der Einsetzung eines parlamentarischen Gremiums, genannt »die Oberalten«.

Geschlossen evangelisch geworden war die Hansestadt am 28. April 1528, und mit diesem Ereignis hatte auch das zweite zu tun: Die katholische Geistlichkeit hatte nie die kirchlichen Einkünfte offen legen wollen, genau dies aber wurde jetzt von den Protestanten gefordert. Jedes Kirchspiel in Hamburg - damals waren es noch vier - benannte zwölf Kirchenälteste, »Oberalten« genannt (plattdeutsch »Averolden«), die künftig wöchentlich den »Gotteskasten« (die Kollektengelder) zu prüfen und zu registrieren hatten. Daraus entwickelte sich zugleich das »Collegium der Ehrbaren Herren Ober-Alten«, das dem Rat der Stadt als Vertreter der Bürger zur Seite stehen sollte, also eine Art Vorläufer der heutigen Hamburger Bürgerschaft, des Stadtparlaments. Und eben diese »Gotteskasten-Verwaltung«, die auch die Bürgerinteressen verwaltete, war am 29. September 1528 eingeführt worden. Gefeiert wurde das dreihundertjährige Bestehen einer demokratischen Instanz, mit der, allen selbstverständlichen Mängeln zum Trotz, die Stadt und ihre Bürger gut gefahren waren.

Um den Jubeltag würdig zu beschließen, bedurfte es natürlich auch eines Festspiels. Das lieferte Hamburgs unermüdlicher, an Produktivität kaum zu überbietender Schriftsteller Georg Nikolaus Bärmann, geboren 1785 als Sohn eines zugewanderten Wurstmachers und Gastwirts, mit einem »vaterstädtischen Schauspiel in drei Aufzügen«, betitelt »Bürgertreue«. Das Stück erlebte an diesem Tag um 17.30 Uhr im Stadttheater seine Premiere und klang um 20 Uhr mit einem Lied aus, das dem Publikum »stürmischen Beifall«, so der Chronist, entlockte: »Stadt Hamburg in der Elbe Auen«, dessen sieben Strophen in einem Refrain endeten, der mit den Worten einsetzte »Heil über dir, Hammonia! « Komponiert hatte dieses Lied, das den Hamburgern auf Anhieb so gut gefiel, dass es seither so etwas wie Hamburgs Nationalhymne geworden ist, Albert Gottlieb Methfessel, ein seit 1822 als Musikdirektor in Hamburg lebender Thüringer (gleichen Jahrgangs wie Bärmann), dessen Liedkompositionen damals ungemein populär waren: »Hinaus in die Ferne«, »Stimmt an mit hellem, hohem Klang« und »Der Gott, der Eisen wachsen ließ« gehörten bis in unsere Zeit hinein zu seinen beliebtesten, meistgesungenen Stücken, und sein 1818 veröffentlichtes »Allgemeines Commers- und Liederbuch« war geradezu ein Bestseller geworden.

Komponiert hat die Hymne ein Thüringer

Gottlieb Methfessel »Stadt Hamburg in (heute: an) der Elbe Auen« war öffentlich zwar am 29. September aus der Taufe gehoben worden, eigentliche Premiere hatte das Lied aber schon am 19. April in der von Methfessel 1825 gegründeten »Hamburger Liedertafel« gehabt, übrigens einer der ersten bürgerlichen Gesangvereine überhaupt. Bärmanns hausbackener Text (»das Meer fleußt um die Erd' herum, / Drum 'floreat Commercium! «) ist längst durch einen neuen ersetzt worden, der nur noch vier Strophen kennt und mit Bärmanns Original nicht eben viel zu tun hat, aber das macht nichts: Die Hamburger Bürger, die ihn heute kennen, sind leicht zu zählen, und ein Kleinod der Poesie ist er wahrlich nicht. Immerhin: Dank Methfessels (Bild links) Begabung bekam er eine eingängige und dauerhafte Melodie, die sich der Komponist »heiter, doch würdig« vorgetragen wünschte, eine Charakteristik, die selten auf nationale Hymnen anwendbar ist. Geben sich andere Nationalhymnen gern martialisch und überaus hoch gestimmt, so endete damals Bärmanns Text mit dem rührenden Eingeständnis: »Soll uns ein Ort der Welt erfreu'n, / So muss es unser Hamburg seyn!« Der spätere Bearbeiter machte daraus: »Gott wolle ferneres Gedeihn / der teuren Vaterstadt verleihn. « Das ist sicher recht patriotisch empfunden, nur ist die Bärmannsche Gemütlichkeit dahin, und dahin ist auch sein Lobpreis der »Oberalten« als das »hochachtbare Fundament / Von Hamburgs gutem Regiment«, was freilich heute nicht mehr verstanden würde.

Hamburg, eine eigene Hymne? Die meisten Bürger wissen davon nichts, dabei schallt sie bei Schulau jeden Tag mehrmals über die Elbe...

Eckart Kleßmann

Aus dem Buch "Herrliches Hamburg", Brigg Verlag, Augsburg

Bildnachweis

Fahne: Bernd Sterzl / pixelio.de


1.

Uwe SAhlmann aus Hamburg

16.10.09 12:54

Der Text ist informativ und in seinen Urteilen zutreffend.

Hier ist meine Meinung dazu:

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